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Weiterbau A46

Weiterbau der A46: Chancen und Schwierigkeiten

Der Weiterbau der A46 schreitet voran und damit rückt auch der Zeitpunkt der Fertigstellung immer näher. Was von vielen Bürgern und Pendlern herbeigesehnt wird, stellt viele Bestwiger Betriebe vor neue Herausforderungen. Im Interview macht die Werbegemeinschaft Bestwig ihre Position deutlich.

Sehnen Sie die Fertigstellung der A46 herbei oder haben Sie Angst vor der Eröffnung der Autobahn?
Beides. Die ist Fluch und Segen zugleich. Angst zu haben wäre sicher falsch. Aber man muss die Situation ernst nehmen und sich darauf vorbereiten, dass vieles anders wird.

Wie ist die Stimmung unter den Kaufleuten?
Wir haben eine Hand voll Fachmärkte unter den Mitgliedern, für die großen Märkte kann ich nicht sprechen. Aber wir haben viele Handwerker, Gastronomen und Dienstleister dabei. Hier muss man sicher differenzieren. Ein gut etabliertes Handwerksunternehmen ist sicherlich noch am wenigsten vom Weiterbau der A46 betroffen. Aber einige Gastronomen und vor allen Dingen Tankstellen leben vom Durchgangsverkehr. Die Händler sehen das unterschiedlich. Wenn weniger Verkehr durch den Ort fließt, werden sicher weniger Leute auf deren Angebote aufmerksam. Auf der anderen Seite hatte auch kaum jemand Lust, im Stau auszusteigen und einkaufen zu gehen. Die Stimmung ist entsprechend unterschiedlich.

Sie haben Einbußen für die Kaufmannschaft befürchtet. Sehen Sie die immer noch kommen?
Ich spreche nicht nur für die Kaufleute, sondern für alle unsere Mitglieder. Es wird Profiteure geben wie auch Verlierer. Hoffentlich möglichst viele Gewinner. Schon vor Jahren habe ich davor gewarnt, dass nach dem Weiterbau der A46 einige Betriebe nicht überleben werden. Insgesamt wird man wohl sagen müssen, dass sich an der Situation nicht viel geändert hat. Weder haben sich die Rahmenbedingungen geändert, noch hat sich offenbar die Mehrzahl der Betriebe auf die bevorstehende Situation eingestellt. Wir haben natürlich auch kein Patentrezept in der Tasche, wie der Einzelne damit umgehen kann. Das wäre schön, nur leider gibt es so etwas nicht. Aber das Internet und die zunehmende Digitalisierung könnten für viele Betriebe neue Vertriebswege eröffnen und Existenzen sichern.

Wer wird aus Ihrer Sicht besonders betroffen sein?
Die kleinen Fachmärkte, die die eigentliche Stärke Bestwigs sind und die es woanders schon gar nicht mehr gibt, werden weniger wahrgenommen. Und die haben in der Regel nicht das notwendige Marketing-Budget, dies durch umfangreiche Werbung aus eigener Kraft abzufangen. Imbisstuben und Gastronomen, die von durchreisenden Urlaubern profitiert haben, werden es auch schwer haben, den Umsatz zu halten. Und natürlich Tankstellen.

Wer werden die Gewinner sein?
Gewinnen könnten zum Beispiel Gastronomen, die auf „Wohlfühlatmosphäre“ setzen. Künftig wird man auch an der B7 gemütlich in einem Biergarten sitzen können. Größerer Firmen und Speditionen profitieren von der dann staufreien Zufahrt auf die Autobahn. Man würde auch in Ruhe einkaufen und von Geschäft zu Geschäft bummeln können. Allerdings haben wir keinen richtigen Ortskern, in dem zentral alles beieinander liegt. Zudem fehlen die typischen Branchen dafür, zum Beispiel Bekleidungsgeschäfte. Es wird schwer sein, Unternehmen zu finden, die in Bestwig in ein Erlebnis-Shopping investieren möchten.

Betriebe mit Nischenprodukten, Besonderheiten, Alleinstellungsmerkmalen werden weniger stark leiden, als andere. Für Produkte, Service und Dienstleistungen, die es woanders nicht gibt oder nicht in der Form oder Qualität, sind Kunden auch in Zukunft bereit, gezielt nach Bestwig zu fahren. Dies muss man dann aber intensiv bekannt machen.

Echte Gewinner hingegen kann es auf einer ganz anderen Ebene geben. Unabhängig vom Weiterbau der A46 eröffnen das Internet und die Digitalisierung große Chancen. Wer da gut aufgestellt ist und ein ansprechendes Standortlokal hat, der wird wahrscheinlich ganz gut leben können. In der virtuellen Welt ist es egal, wie viele Autos über die B7 fahren.

Wird es mehr Gewinner oder Verlierer geben?
Wenn sich die Betriebe nicht umorientieren und zum Beispiel die Chancen des Multichannel-Vetriebs nutzen, wird es wohl mehr Verlierer geben. Einige planen ja sowieso, den Betrieb nicht mehr an die Kinder weiterzugeben, sondern nach Erreichen des Rentenalters aufzugeben. Das wäre schade, denn Möglichkeiten gibt es immer. Und hoffentlich auch bald mehr Leute, die sie erkennen. Internet und Digitalsierung sind eigentlich die größten Chancen, die ich für Betriebe sehe in einem Ort wie Bestwig.

Welchen Wunsch haben Sie an die Gemeinde, was in der Zukunft in Bestwig getan werden müsste?
Es wäre schön, wenn es eine Wirtschaftsförderung gäbe, die sich auch um die kleinen Betriebe kümmern würde, nicht nur um die großen. Da bald weniger Verkehr durch den Ort fließt, müssen sich viele von ihnen neu aufstellen. Zusammenarbeit auf allen Ebenen kann da nur helfen. Wir könnten Unterstützung gebrauchen, in unserer eigenen Onlinestrategie und darin, die Betriebe fit zu machen für die digitale Welt. In ehrenamtlichen Strukturen sind diesen Bemühungen klare Grenzen gesetzt und es geht alles sehr viel langsamer, als es das dürfte bei der rasend schnellen Entwicklung in diesen Bereichen. Gemeinsam nachdrücklich auf das Bereitstellen schnellerer Internetverbindungen hinwirken, wäre auch sehr wichtig. Insgesamt wäre ein direkter und wechselseitiger Austausch sehr förderlich.

Was kann die Werbegemeinschaft selbst tun?
Die Werbegemeinschaft kann keine Stadtplanerischen Veränderungen vornehmen und auch selbst keine neuen Betriebe ansiedeln. Aber sie kann Aktionen durchführen, Marketing machen und die Mitgliedsbetriebe informieren, aufklären und Empfehlungen aussprechen. Wir haben auf der Jahreshauptversammlung unsere digitale Strategie zur Förderung der Sichtbarkeit der ortsansässigen Betriebe im Web präsentiert. Was wir bereits umgesetzt haben und was wir noch vorhaben. Wenn die Mitglieder dies weiter stützen und mittragen, werden wir gut aufgestellt sein. Das wird keine Wunder wirken und nur ein Teil dessen sein, was getan werden muss. Aber das, was wir in unseren ehrenamtlichen Strukturen tun könnten, tun wir. Auf der anderen Seite werden wir überlegen, wo die knappen Mittel der Werbegemeinschaft vielleicht noch effektiver einsetzen können und so manche Aktionen noch etwas optimieren.

Wie sieht Bestwig 2030 aus?
Ich zeichne da mal ein Wunschbild: Ruhig, aber lebendig. Eine Atmosphäre, in der Bürger gut leben und arbeiten können. Und eine Unternehmenslandschaft, die die Vorteile des Weiterbaus der A46 genutzt hat und die weniger guten Auswirkungen abfedern konnte. Die Betriebe haben dann hoffentlich auch die Chancen der Digitalisierung und des Web 2.0 erfolgreich genutzt und sind für das Web 3.0 gerüstet. Wir haben schnelles Internet, überall frei zugängliches WLAN und einen Ort, der in der realen wie in der digitalen Welt gut erlebbar ist.

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