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Burkhard Hogrebe Olaf Badelt

Online-Handel: Chance oder Bedrohung für die heimische Unternehmenslandschaft?

Ganz gleich ob Dienstleistungen oder Produkte, beim Thema Onlinehandel scheiden sich die Geister. Im Vergleich zu den Nachbarstädten nimmt die Werbegemeinschaft in Bestwig mit ihrer Position eine Ausnahmestellung ein. Im Interview betont sie: Gerade vor dem Hintergrund des Weiterbaus der A46 sind Digitalisierung und Internet eine Riesenchance für viele Betriebe!

Das Internet – Fluch oder Segen für den lokalen Einzelhandel?
Es war ein Fluch, aber es zeichnet sich immer mehr ab, dass es ein Segen sein kann. Für Kunden und eine älter werdende Gesellschaft sowieso. Aber auch für Betriebe, die es als Vertriebsweg zu nutzen verstehen. Gerade vor dem Hintergrund des Weiterbaus der A46 bieten das Internet und die gesamte Digitalisierung enorme Vertriebschancen. In der virtuellen Welt ist es egal, wie viele Autos über die B7 fahren. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Fachgeschäfte unter unseren Mitgliedern, sondern auch für Gastronomen, Handwerker und Dienstleister.

Gibt es Strategien, die die Werbegemeinschaft Bestwig den lokalen Einzelhändler gegen eine Abwanderung der Kunden ins Netz an die Hand gibt? Wenn ja, welche?
Wir setzen uns nicht nur für die Einzelhändler ein, sondern für alle unsere Mitglieder. Andere Branchen sind in ähnlicher Weise betroffen. Wir werden gar nicht verhindern können, dass die Kunden ins Netz abwandern. Warum auch? Der Kunde macht das, was für ihn den größten Mehrwert verspricht und die Onlineangebote haben enorme Mehrwerte. Natürlich hat es auch seinen Reiz durch eine Fußgängerzone zu bummeln und gastronomische Angebote zu genießen. Aber für Bestwig als Großgemeinde ohne richtiges Zentrum werden Konzepte für Erlebnisshopping und Strategien, die dies unterstützen, wohl kaum realisierbar sein.

Unsere Mitglieder sind in der Regel Fachbetriebe mit entsprechender Kompetenz und Service. Dies gilt es bekannt zu machen und die Produkte und Leistungen zu vertreiben. Und da tun sich online große Chancen auf. Die wollen und die werden wir nutzen.

Bei der Jahreshauptversammlung der Werbegemeinschaft hat die Werbegemeinschaft davon gesprochen, den digitalen Auftritt auszubauen. Wie soll das konkret aussehen?
Vor drei Jahren haben wir unseren Branchen Guide Bestwig konzipiert. Zunächst als reine Printausgabe. Mit dem Relaunch unserer Plattform www.besserinbestwig.de im vergangenen Jahr ist der Branchen Guide online gegangen. Die Besucherzahlen und die Ergebnisse in den Suchmaschinen zeigen, dass dies der richtige Schritt war. In der lokalen Suche verhelfen wir Betrieben ohne oder mit einer schlechten Website zu mehr Sichtbarkeit im Web. Doch dies sind nur die ersten Schritte. Wir wollen die Plattform Zug um Zug weiter ausbauen, um den Menschen in Bestwig und darum herum zu zeigen, was es hier gibt. Das Interesse, das wir während und nach der Jahreshauptversammlung registriert haben, lässt uns optimistisch sein, dass unserer Betriebe diesen Weg mit uns gehen werden.

Vor welchen weiteren Herausforderungen steht die Werbegemeinschaft Bestwig?
Für die Werbegemeinschaft, oder vielmehr für unsere Mitgliedsbetriebe, gibt es zwei große Herausforderungen: Die eine ist der Weiterbau der A46. Das wird für viele Betriebe einiges ändern und viele sind noch gar nicht dafür gerüstet. Die nächste ist die digitale Welt. Auch dafür sind unsere Mitglieder vielfach noch nicht fit genug. Eine gute Onlinestrategie kann aber zumindest einen Teil der aktuellen Probleme abfedern, wenn nicht sogar lösen und auch einen guten Teil derer, die mit dem Weiterbau der A46 noch kommen werden.

Was ist die bisher größte Erfolgsgeschichte der Werbegemeinschaft?
Die größte Aktion liegt ein paar Jahre zurück, ist den Bestwiger Unternehmen noch gut in Erinnerung. Vor ca. 15 Jahren sollte der neue Abwasserkanal durch die B7 verlegt werden. Das hätte ein Jahr Bauzeit benötigt und die Straße wäre in dieser Zeit nur einspurig befahrbar gewesen. Die damit verbundenen Komplikationen hätten für einige Betriebe das Aus bedeutet, da waren sich die Unternehmer heute noch sicher.
Die Werbegemeinschaft hat sich dafür stark gemacht, dass der Kanal an der Ruhr entlang gebaut wurde. Wir haben die komplette Planung neu erstellen lassen. Dazu mussten wir finanziell in Vorleistung gehen. Zeitweise hatten 100.000 Euro Kredit dazu aufgenommen. Das haben wir letztendlich erstattet bekommen. Aber erst nachdem das Umweltgutachten positiv für uns ausfiel. Noch heute können sich die Betriebe, die entlang der B7 ansässig sind daran erinnern und sind uns dankbar dafür. Auch die Anwohner waren froh darüber.

Und wie sieht das aktuell aus?

Wir sind eine kleine Werbegemeinschaft in einer Großgemeinde, die aus vielen kleinen Ortschaften besteht. Aber wir sind sehr aktiv und kreativ. Unsere alle drei Jahre stattfindende Gewerbeausstellung gehört zu den größten im HSK. Wir übernehmen Aufgaben, die woanders ein professionelles Stadtmarketing umsetzt. Zum Beispiel haben wir die Weihnachtsbeleuchtung inklusive der Stromanschlüsse an den Straßenlampen angeschafft, und wir hängen die Elemente Jahr für Jahr auf unsere Kosten auf. Wir haben bereits viele kleine Schritte gemacht, die uns auf einen guten Weg gebracht haben. Mit dem kleinen Comic in Form eines Flyers, „Global gedacht, lokal gekauft“, den wir vor einiger Zeit herausgebracht haben, haben wir auf die Zusammenhänge des lokalen Wirtschaftskreislaufs aufmerksam gemacht. Er hat Aufmerksamkeit erregt, ist gut angekommen und hat durchaus einiges Nachdenken verursacht. Auch der Branchen Guide print und vor allen Dingen online ist ein Erfolg. Er ist die Grundlage unserer zukünftigen Onlinestrategie.

Wenn es schon soweit wäre, dass unsere Betriebe da auf einem guten Weg wären, könnte man sagen: Das Internet an sich ist für uns eine Erfolgsgeschichte. So weit ist es leider noch nicht. Wir wollen unsere Mitglieder aber unterstützen auf ihrem Weg in die digitale Welt. Wenn die Autobahn erst einmal da ist, werden viele für diese neuen Wege dankbar sein.

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