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„Man muss es den Geschäften nicht noch schwerer machen als es sowieso schon ist“

Plädoyer der Werbegemeinschaft Bestwig für eine liberale Regelung der Ladenöffnungszeiten

Seit Jahren sind die Ladenöffnungszeiten Zankapfel zwischen Gewerkschaften und Kirche auf der einen und Handelsverbänden auf der anderen Seite. Doch derzeit spitzen sich die Diskussionen zu.  Das Oberverwaltungsgericht Münster hat im Sommer neue, strengere Regelungen für einen verkaufsoffenen Sonntag in Nordrhein-Westfalen beschlossen. Künftig soll eine Veranstaltung erforderlich sein, um die Geschäfte öffnen zu können. Das war bisher nicht zwingend notwendig. Die Werbegemeinschaft Bestwig hat auf Medienanfragen hin ein Statement dazu abgegeben.

Die ver.di setzt sich vehement gegen eine liberale Regelung der verkaufsoffenen Sonntage ein. Können Sie die Argumentation der Gewerkschaft nachvollziehen oder halten Sie diese für übertrieben?
Die Zeiten, in denen der Sonntag „heilig“ war, sind längst vorbei. Wir verstehen, dass Kirche und Gewerkschaften die Familie schützen wollen. In Dienstleistungsberufen ist es gar keine Frage, dass am Wochenende gearbeitet wird. Da kann sich der Handel nicht vor 10 oder 11 verkaufsoffenen Sonntagen sperren. Die Zeiten ändern sich. Wenn Onlineshops 24 Stunden tagein tagaus offen haben, dann können wir uns solche Fragen einfach nicht leisten. Wir diskutieren seit Jahren darüber, wie wir standortgebundenen Einzelhandel vor der zunehmenden Onlinekonkurrenz sichern können. Vor dem Hintergrund sind die aktuellen Forderungen geradezu absurd. Wer Arbeitsplätze in den Ladenlokalen sichern möchte, für den müsste die Antwort auf sowas eigentlich klar sein.

Wie sehen werden die verkaufsoffenen Sonntage 2017 in Bestwig denn aussehen?
Bei uns ist der Gastgartensonntag von der neuen Regelung nicht betroffen. Er ist das einzige für Bestwig wirklich wichtige Event. Da öffnen viele Betriebe ihre Türen – und das wird wohl auch so bleiben. Den meisten Geschäften reicht das auch. Wir haben allerdings zwei größere Märkte, deren Kunden auch aus dem umliegenden Orten anreisen. Und die würden gern mehrere Sonntage öffnen. Für die wäre es schade, wenn denen diese Chance genommen würde. Gerade wenn die A46 einen Großteil des Verkehrs am Ort vorbei lenkt, werden sie es schwer haben, auf sich aufmerksam zu machen.

Wie haben diese Märkte das denn bisher geregelt und was für die Neuregelung für sie bedeuten?
MMB und Henke haben die bisherige freie Gesetzgebung genutzt, um neben dem Gastgarten an zwei weiteren Sonntagen zu öffnen. Allerdings ohne besondere Aktionen. Sie wären von der Neuregelung betroffen und müssten gegebenenfalls auf zwei lohnende Sonntage verzichten. Auch deren Sicht und auch aus Sicht der Werbegemeinschaft Bestwig führt die neue Gesetzgebung, wenn sie denn kommt, zu einem noch stärkeren Ungleichgewicht. Kleinere Orte schaffen es einfach nicht, mehrere Events im Jahr auf die Beine zu stellen.

Wie haben die Mitglieder der Werbegemeinschaft Bestwig auf die Ankündigung der neuen Regelung reagiert?
Diejenigen, die davon betroffen sind, sind natürlich enttäuscht. Die zwei verkaufsoffenen Sonntage, die Möbel Markt Bestwig und Henke ohne begleitende Veranstaltung gemacht haben, haben sich für die immer gelohnt. Laut Geschäftsführung sogar mehr als beim Gastgarten. Es kommen offenbar mehr ernsthafte Käufer. Die Märkte haben selbst dafür intensiv Werbung dafür gemacht und das hat sich wohl bezahlt gemacht. Für die ist es sowieso schon nicht leicht, sich als Fachmarkt dieser Größenordnung an einem Standort wie Bestwig zu behaupten. Man sollte es ihnen nicht noch schwerer machen.

Würde eine deutliche Reduzierung der verkaufsoffenen Sonntage den Handel generell “bedrohen”?
Für Bestwig hat das eine andere Bedeutung als für Meschede, Arnsberg oder Brilon. Wir haben keine Fußgängerzone. Der Bereich um das Rathaus und den Bahnhof hat auch immer noch nicht die Funktion eines richtigen Ortskerns erreicht. Mehr als drei oder vier offene Sonntage bräuchten wir hier nicht. Dass die anderen Orte das anders sehen, können wir aber gut verstehen. Wenn wir die Aufenthaltsqualität in den Innenstädten erhalten wollen und wenn wir den stationären Einzelhandel dort sichern wollen, brauchen wir eine Gesetzgebung, die Freiraum dazu lässt.

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