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Bergmannstradition

VenetianerstollenDie Geschichte des Erzbergbaus beginnt in der ehemaligen Bergarbeitersiedlung des heutigen Ramsbeck. Sie wird erst-mals im Güterverzeichnis des Grafen Wilhelm von Arnsberg vom 10. Juni 1313 als „Rambesbike“ genannt. Die Siedlung der Bergleute des 12. und 13. Jahrhunderts lag nach den bis-herigen Erkenntnissen direkt am Venetianerstollen. Sichere Informationen zur topografischen Lage des Ortes Ramsbeck liegen erst mit den Darstellungen auf den Karten des 16. und 17. Jahrhunderts vor.

Eine direkte Nennung des Bergbaus bei Ramsbeck erscheint in der Bergordnung des Kölner Erzbischofs Anton vom 15. Februar 1557. In dem Dokument werden Vertreter der wichtigsten Bergwerke des Herzogtums Westfalen „vff dem sylberge im gerunde sydlingkhusen assingkhusen elpe vnd rams-becke“ zitiert. Das kölnische Schatzregister von 1565 nennt in Ramsbeck einen Bergboten Johann Schelle. Aus dem Jahr 1572 ist eine Urkunde überliefert, die drei Zechen am Bastenberg, die Zeche „Der alte Riese“, zwei Zechen auf dem Dörnberg, Schmelzhütten, Kohlschuppen und Treibhütten nennt.

Aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg stammt die Aussage, der Bergbau sei wegen des Krieges stark zurückgegangen. In den kurkölnischen Regalien von 1668 findet sich ein Befahrungsbericht, der die Gruben „Alte Ries“ Dörnberg und Bastenberg nennt. In seiner Beschreibung der Herzogtümer Engern und Westfalen von 1694/96 erwähnt Caspar Christian Voigt von Elspe Ramsbeck unter den in Betrieb befindlichen Bergwerken. Zu Schwierigkeiten und zu einer Zersplitterung in mehrere kleinere Betriebe kam es Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgrund der Folgen der Napoleonischen Kriege.

Cark Haber StollenDie Grubenbesitzer schlossen sich 1815 zur Ramsbecker Gewerkschaft zusammen. 1852 wurde das ganze Werk an den Rheinisch-Westfälischen Bergwerksverein verkauft. Im Jahre 1854 schloss sich der Bergwerksverein mit der „Societé Anonyme de Stolberg“ oder auch „Gesellschaft für Bergbau und Zinkfabrikation zu Stolberg“ zur „Aktien-Gesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen“ zusammen. Deren Generaldirektor Henry Etienne Bernard Marquis de Sassenay plante, mit dem Ankauf der Gruben die Erzbasis für sein Unternehmen zu sichern und den Ramsbecker Raum zu einem der größten Industriezentren Europas auszubauen.

Er warb aus anderen Revieren Bergleute an, für deren Unterkunft er neue Siedlungen gründete, zum Beispiel Andreasberg, Heinrichsdorf, Kolonie Alexander. Die Jahre um 1854/55 endeten im größten Wirtschaftsbetrug der Zeit, da für das geplante Unternehmen nicht genug Erze vorhanden waren. In den Jahren nach 1855 wurden die Ausgaben dras-tisch gesenkt, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Zwischen 1923 und 1933 musste der Betrieb wegen Inflation und Weltwirtschaftskrise unterbrochen werden. Der Bergbau wurde am 31. Januar 1974 eingestellt. Am 27. August des selben Jahres öffnete das Erzbergbaumuseum.

Sauerländer Besucher-Bergwerk

Besúcherbergwerk unter TageAm 31. Januar 1974 schloss das Erzbergwerk Ramsbeck seine Pforten für den aktiven Abbau von Blei- und Zinkerzen. Zwar sind wohl noch genügend Erze im Berg zu finden, aber der Abbau lohnte sich wirtschaftlich nicht mehr.

Schon im Laufe des Jahres 1974 öffnete das Erzbergwerk wie-der seine Tore, dieses Mal aber für Touristen. Seither sind über 2,9 Millionen Besucher mit der historischen Grubenbahn 1,5 Kilometer in den Berg hineingefahren und haben sich von der überaus harten, aber auch faszinierenden Arbeitswelt der Bergleute beeindrucken lassen. Das Besucherbergwerk ist eines der ältesten touristischen Betriebe seiner Art und hat seit seiner Gründung viele Nachahmer gefunden. Bis heute besticht das Besucherbergwerk durch seine große Authentizität in der Darstellung des Erzbergbaus an Originalschauplät-zen 300 Meter Unter Tage.

Im August 1974 öffnete in Ergänzung der Untertageeinfahrt das Bergbaumuseum in der ehemaligen Waschkaue. Umsichtige Politiker, Verwaltungsleute und genauso führende Persönlichkeiten der Bergbaufirma Sachtleben AG stellten mit der Gründung der Bergbaumuseum Ramsbeck GmbH – 50 Prozent Gesellschafter sind je die Gemeinde Bestwig und der Hochsauerlandkreis – sehr schnell die Weichen für ein inhaltlich abgerundetes Touristikziel. Als Allwetter- und Ganzjahresziel ist das Museum für den sauerländischen Tourismus beinahe unentbehrlich. In den letzten Jahren besuchten durchschnittlich 50.000 Gäste die Einrichtung – ein im Vergleich zu vielen anderen Museen in Nordrhein-Westfalen sehr hoher Wert.

Besucherbergwerk AußenansichtImmer wieder haben die Verantwortlichen an der Attraktivität des Erzbergbaumuseums und Besucherbergwerkes gefeilt: In den Jahren kam die Bergbaumaschinenhalle hinzu und zum Beispiel auch die Diaschau zur sauerländischen Bergbaugeschichte. Unter Tage wurde für Fachbesucher Mitte der 90er Jahre eine neue Gangstrecke aufgewältigt und in den letzten Jahren Spezialeffekte wie der „Urknall“ des Pressluft-bohrers eingeführt, um den Besuchern einen Eindruck über Bedingungen der Arbeit unter Tage zu vermitteln.

Aufgrund des besonderen Flairs werden im Museum seit einigen Jahren regelmäßig Zusatzausstellungen angeboten.